Repatriation flight

Nach der Ankündigung der neuseeländischen Regierung die Rückholflüge wieder aufzunehmen, geht alles ziemlich schnell. Die ersten Flieger starten wenige Tage später von Auckland und am Montag vor Ostern endlich auch von der Südinsel, von Christchurch. Nachdem man nicht weiß, mit welchem Flieger man zurück nach Deutschland reist und nur die eine Chance hat, packen wir mit der Ankündigung gut fünf Monate Neuseeland wieder in die großen Reisetaschen, denn es kann ja jeden Tag losgehen. Die Kinder genießen noch den Freiraum, die Tiere, die Spielgeräte und an allem, was irgendwie doof oder nicht erlaubt ist, ist Corona schuld. Eine ziemlich einfache Entschuldigung für alles Mögliche… 😉

Die ersten deutschen Backpacker-Mädels auf unserem Campingplatz bekommen gleich einen Flug am Dienstag und geraten trotz Freude ziemlich unter Stress, weil sie eigentlich noch ein Auto zu verkaufen hätten, die zweiten Zwei am Mittwoch, dann unsere “Mit gehangen, mit gefangen-Familie” einen für Donnerstagmorgen. Da wird uns langsam ein wenig bang, denn wir haben immer noch nichts gehört. Die letzten Mohikaner…

Einerseits hätten wir nichts dagegen, noch ein wenig zu bleiben, andrerseits wird es langsam etwas einsam auf dem Campingplatz. Dann DIE Email, sechs Rückflugtickets für Gründonnerstag am Nachmittag mit Air New Zealand. Wahnsinn, wir sind Teil einer historischen Rückholaktion. Wäre hätte gedacht, dass unser Neuseeland-Abenteuer so enden würde. Dann heißt es die “Reste” noch einpacken, was, wie immer, mehr ist als erwartet und länger dauert als erwartet. Ingo schafft es über drei Ecken, einen Unterstellplatz für unser Wohnmobil zu organisieren, bis wir es hoffentlich irgendwann verkaufen können. Im Augenblick hat keiner Interesse, Reisen ist ja gerade etwas schwierig…

Dann eine letzte Runde über den Campingplatz, allen Tieren ein Farewell und es geht los. Fast schon ungewohnt, nach über zwei Wochen wieder loszufahren. Auch ein wenig Wehmut macht sich breit, gerne wären wir anstelle zum Flughafen weiter gen Süden gefahren. So viel, was wir noch nicht auf der Südinsel gesehen haben, Fiordland, Milford Sound, die Caitlins… Schade, schade! Dabei hat uns Neuseeland sogar schon mal prophylaktisch die Visas bis September verlängert, aber die Unsicherheit, wie es nach dem Lockdown weitergeht, ob er vielleicht verlängert wird, wann sich die Lage wieder etwas entspannt, wann man wieder Flüge bekommt usw. usw., lässt eigentlich keine andere Wahl (zumindest nicht für eine Familie mit vier Kindern). Dann haben wir eben den Rest des Sabbaticals inklusive Zwangsquarantäne zuhause, immerhin kommen wir in den Frühling zurück.

Die Esel
Einmal noch füttern
Den frisch geborenen Ferkeln Tschüss sagen
Ein letztes Mal klettern
Den Pfauen ein Adieu

Wir verbringen die letzte Nacht auf dem Grund von Haemish und seiner Familie, wo wir unser Wohnmobil stehen lassen werden. Ein wenig gepflegter Smalltalk mit zwei Metern Abstand, der aber ein gutes Bauchgefühl hinterlässt. Hier wird es sicher sein. Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, frühstücken, ein letztes Mal zur Dump Station fahren, dann alles Gepäck ins zwei Taxis verladen und auf geht es zum Flughafen – zwei Gepäckstücke zu viel und deutlich mehr Kilos als Air New Zealand eigentlich erlaubt (Singapore Airlines ist da etwas großzügiger), aber nachdem wir uns nicht durchringen können, irgendetwas zu opfern, lassen wir es drauf ankommen.

Warten aufs Taxi
See ya!

Die Straßen sind relativ leer, der Flughafen gespenstisch ruhig, alles zu bis auf einen Eingang, der nur für Passagiere von “mercy flight” offen ist (auch mit Österreichern und Niederländern hat man “Mitleid”). Mit drei voll beladenen Gepäcktrolleys und vier Kindern machen wir uns auf den weg zu Schlange vor dem Eingang. Zum Glück hat ein Botschaftsmitarbeiter Mitleid und winkt uns gleich zum Eingang vor, erste Pass- und Ticketkontrolle. Innen ein improvisierter Schalter mit weiteren Botschaftsmitarbeitern, alle mit Schutzmasken, die die Formulare, mit denen wir uns zur Zahlung des Fluges verpflichten, einsammeln und uns mit guten Wünschen für die Rückreise weiter Richtung Check-In Schalter schicken. Eine riesige Menschenschlange, das mit den zwei Metern Sicherheitsabstand ist da kaum möglich. Uns schwant Schreckliches, angesichts der Wartezeit. Tatsächlich ist den Kindern bald langweilig und sie fangen an sich zu zoffen. Manche Dinge ändern sich halt nicht, Corona hin oder her. Ingo zieht den iPhone-Fernseh-Joker aus dem Ärmel, der Schlimmeres verhindert und alle Umstehenden sehr belustigt. Auf einmal ist alles Warten nicht mehr so schlimm für die kleinen Kraupas.

Alle wollen mit
Danke an die deutsche Botschaft
Bechäftigungtherapie
Viel fliegt nicht…

Das Bodenpersonal von Air New Zealand (überwiegend alterstechnisch eher Risikogruppe und kein Mundschutz) ist extrem freundlich und belustigt, ob unserer Beschäftigungstherapie für die Kinder. “Whatever works…” Zum Glück spielen weder die Anzahl noch das Gewicht der Gepäckstücke ein Rolle. Mit den Bordkarten in der Hand bekommen wir noch Geleitschutz von einer netten Polizistin, die uns mit den Kindern in den Fahrstuhl nach oben in Richtung der Sicherheitskontrollen verfrachtet. Das übliche Sicherheitsprozedere wird noch durch einen Sprengstofftest erweitert, angeblich ist das iPad von Ingo explosiv, das hatten wir bislang noch nicht. Natürlich geht nix in die Luft und wir dürfen schließlich ans Gate 28, wo die Maschine schon bereit steht, ebenso Wasserflaschen, Chips und Müsliriegel, weil ja keinerlei Restaurant o.ä. offen hat. Wir werden noch einmal im Auftrag der kanadischen Behörden befragt, ob wir irgendwelche Corona-Symptome haben, schließlich sollen wir in Vancouver zwischenlanden (allerdings ohne von Bord zu dürfen), damit die Maschine aufgetankt und die Crew ausgewechselt werden kann. Mit einer satten Verspätung von über einer Stunde starten wir dann endlich unseren 24-stündigen Flug nach Hause. Die Anzahl der “maskierten” Passagiere ist sehr überschaubar, nur die Crew ist da konsequent (übrigens alles Freiwillige, die uns da zurückbegleiten). Das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz besetzt, so dass das mit dem Abstand halten auch eher schwierig ist. Beruhigend ist jedoch, dass alle über zwei Wochen im Lockdown waren und unterschreiben mussten, dass sie keinerlei verdächtige Symptome haben, was angesichts der vergleichsweise geringen Anzahl von Corona-Fällen in Neuseeland zuversichtlich stimmt. “Corona-kritisch” wird es dann erst in Frankfurt bzw. im ICE nach Nürnberg… Zum Glück gibt es volles Bordprogramm, so dass die Kinder erst einmal beschäftigt sind. Fernsehen bis zum Abwinken, zwischendurch ein paar Stunden schlafen, alles weniger schlimm als erwartet.

Good bye New Zealand
Voll bis auf den letzten Platz

Ankunft in FRA “20mins ahead scheduled arrival time”, Sonnenaufgang über den Frankfurter Flughafen – romantisch. Nach einem großen Applaus für Air New Zealand dürfen wir dann reihenweise das Flugzeug verlassen und zur Passkontrolle, wo wir nochmals auf die mit diesem Tag in Kraft getretenen Quarantänebestimmungen hingewiesen werden. Grr.

Historische Momente müssen festgehalten werden…
Deutschland hat uns wieder

Alles Gepäck wieder auf drei Trolleys verladen, dann zu einem Bäcker mit Brezen, die uns die Kinder förmlich aus der Hand reißen und auf zum Fernbahnhof, vielleicht schaffen wir sogar noch einen Zug früher. Wir hetzten los und kommen ein paar Minuten zu spät, aber derzeit ist die deutsche Bahn anscheinend sehr pünktlich – zu viel Gepäck, zu viele Kindern. So haben wir wenigstens Zeit für einen zweiten Kaffee und die Kinder können nach dem langen Flug ein wenig auf dem Bahnsteig herumsausen.

Der ICE ist quasi leer und wir haben ein Abteil ganz für uns alleine. Irgendwo steigt ein weiter Fahrgast ein, der aber schnell die Flucht ergreift. Die Kinder spielen Verstecken zwischen den Gepäckstücken und ich versuche nicht länger, sie davon abzuhalten, im Dreck herumzukrabbeln. Hat ja eh keinen Sinn. Hauptsache sie sind beschäftigt und zu Hause waschen wir dann eben erstmal gründlich die Hände.

In Nürnberg werden wir netterweise mit unserem Auto abgeholt und ihren nach Hause. Frühling liegt in der Luft – home sweet home…

Seltsam, wieder auf der “richtigen Seite” der Straße – zum Glück fährt fast niemand
Home sweet home

Meinen Blog werde ich jetzt wohl umbenennen müssen – mit2x2daheim.de – Eltern in Zwangsquarantäne oder so ähnlich. Nachdem unser Sabbatjahr ja eigentlich erst im Juni zu Ende gegangen wäre, schreibe ich noch ein wenig, habe ich mir gedacht – Quarantäne, social distancing, therapeutisches Schreiben usw. 😉

P.S.: Danke für die Nudeln und das Klopapier, das reicht mindestens für die Zeit der Zwangsquarantäne

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