Zwischen den Jahren und der Start in die neue Dekade…

Kurzer Rückblick

Zu Weihnachten und sind wir erstmalig ein wenig “sesshafter”, d.h. eine ganze Woche an einen Campingplatz, den wir vorher auch schon einmal getestet hatten, in Cooks Beach auf der Coromandel-Peninsula. Im Normalfall ziehen wir nach ein bis zwei Nächten weiter, aber nachdem hier kurz vor Weihnachten die Sommerferien beginnen und wir den Stress zu den Feiertagen ständig nach einem neuen Stellplatz Ausschau halten zu müssen vermeiden wollen, entscheiden wir uns für eine Woche Coromandel. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde mit vielen tollen Ausflugsmöglichkeiten (insbesondere Strände natürlich)…

…das während unseres Aufenthalts eine unglaubliche Veränderung durchmacht. Wir kommen am 22.12. am Camping-Platz an, der bis auf ein paar versprengte Campervans und vereinzelte Zelte menschenleer ist. Wir haben einen Stellplatz in der Nähe eines kleinen Bachlaufs, abseits von allem. Angeblich ist nach Weihnachten alles voll und wir können nirgendwo sonst hin. Etwas unbefriedigend, zumal der Wasserlauf Mücken befürchten lässt (was mich zwar nicht so juckt (haha…), aber Ingo und die Kinder umso mehr). Tatsächlich sind wir bei Dämmerung fünf Minuten zu lange mit kurzen Hosen draußen und Carlottas und Benjamins Beine werden übel zerstochen. Ein Grund mehr am nächsten Tag noch einmal einen Platzwechsel anzufragen, was dann auch problemlos klappt. Weg vom Bach, näher am Pool, Spielplatz etc. – ist auch alles noch nichts los. Nichtstdestotrotz wird es jeden Tag ein wenig voller und spätestens am 26sten gleicht das Ganze einer kleinen Zeltstadt. Dazu muss angemerkt werden, dass die Newzies sehr “professionell” campen: Sie kommen entweder mit großen Wohnwägen oder Campervans mit riesigen Vorzelten oder noch besser, mit unglaublich großen Familienzelten und Pavillons, die mit Kühlschrank, Kochzeile, BBQ, Fernseher, Sitzsäcken und all möglichen anderen Komfort ausgestattet sind. Außerdem haben sie natürlich noch diverse (Wasser-) Sportgeräte dabei, im einfachsten Fall Bodyboards, in der Regel aber außerdem Surfbretter, Kajaks, Motorboote, Jetskis, Fahrräder und so weiter. Irre. Ein Tag Aufbau, ein Tag Abbau… Zum Glück geht das bei uns ein wenig schneller (auch wenn wir den Checkout um 10:00 Uhr normalerweise nicht pünktlich schaffen – liegt aber eher am späten Frühstück…). Wir brechen unsere Zelte ab, als der Campingwahnsinn seinen Höhepunkt erreicht hat und fahren noch ein wenig Richtung Norden, Richtung New Chums Beach, der angeblich zu den zehn schönsten Stränden der Welt gehören soll. Wir steuern einen Freedom Camping Spot an, der aber schon besetzt ist, als wir dort ankommen. Wir sind einfach zu spät dran. Während wir überlegen, ob wir eine Strafe riskieren sollen, macht Ingo die Bekanntschaft von Ian, der sich für das Kraupa-Mobil interessiert und uns kurzerhand anbietet, bei im Vorgarten seines Ferienhauses für die Nacht zu parken. Problem gelöst.

Zum New Chums Beach kommt man nur zu Fuß bei Ebbe oder mit dem Boot. Da wir zu sechst nicht wirklich gut ins Boot passen und es außerdem nicht so heiß ist, entscheiden wir uns am nächsten Morgen, sehr zum Entsetzen der Kinder, zu laufen. Eigentlich ein schöner nicht allzu langer Weg durch einen kleinen Fluß, über Felsen am Strand entlang und dann ein kurzes Stück durch ein Wäldchen, dazu auf dem Weg jede Menge interessantes Treibgut, Stöcke und alles was ein kreatives Kinderherz so begehrt. Ist aber mal wieder voll langweilig und total doof – damit sind sie sich diesmal alle (!) Kinder einig. Egal. Mir gefällt es.

Küstendschungelpfad
Ankunft New Chums Beach

Kaum angekommen, sind binnen weniger Minuten alle Kinder weg. Unzählige kleine Höhlen, bunte Felsen, Bäume, die mit ihren Blätterdächern in den Strand hineinragen und die Reste von anderen Strandbauten lassen die Kinderherzen höher schlagen. Es ist eh kein Badewetter, also wird eifrig gebaut, Stöcke werden aufgetürmt und alle möglichen Ausrüstungsgegenstände werden in der Räuberhöhle verstaut. Wir treffen außerdem die Nachbarsfamilie mit Zwillingen vom Campingplatz in Cooks Beach, die uns noch netterweise ihren Vorgarten bei Wellington als Übernachtungsplatz anbietet. Hervorragend! So macht Freedom Camping Laune.

Räuberhöhle
Tipi oder Lagerfeuer?

P.S.: Der Rückweg ist dann übrigens voll cool…

Der Start ins neue Jahr

Wir verlassen Coromandel und machen uns auf den Weg nach Waitomo, wo wir mit Familie Smart (Name geändert, Anmerkung der Redaktion 😉 ) ebenfalls mit Zwillingsmädels, so alt wie unsere, zum Silvester feiern verabredet sind. Nach einem kurzen Boxenstopp in Paeroa zum Übernachten und Einkaufen gibt es ein großes Hallo auf dem TopTen Campingplatz in Waitomo Town, berühmt für seine Glowworm Caves. Die Kinder sind selig beschäftigt und wir gönnen uns erstmal einen Sundowner, bevor wir den “Silvester-Grill” anschmeißen.

Glitzerschmuck statt Feuerwerk

Unsere Kinder schlafen alle nach und nach ein, nur Natalie hält die Stellung und will unbedingt bis Mitternacht wach bleiben. Wir sind alle gespannt, wie der Jahreswechsel wohl so sein wird und abgesehen von dem Countdown, der aus der Campingplatzküche bis zu uns hinuntertönt, passiert NICHTS. Gar nichts, nicht das kleinste bisschen Feuerwerk. Wir stoßen an und dann klingelt auch schon das Telefon mit den Neujahrswünschen aus Deutschland (Kunststück, da ist es ja auch erst 12 Uhr Mittag…). Man muss vielleicht dazu sagen, dass Waitomo ein winziges Nest ist und in vielen Regionen Neuseelands die anhaltenden Trockenheit des Sommers dazu führt, dass keinerlei Feuer draußen angezündet werden darf, auch kein Feuerwerk. Macht nichts, kein Lärm, kein Dreck (und immerhin bekommen wir von Nodira noch ein 1a Video vom Rechenberg-Feuerwerk 2019/20, so bekommen wir doch auch noch ein wenig mit).

Der Neujahrstag beginnt gemütlich mit einem Zwillingsfamilienfrühstück. Es ist ziemlich warm und nachdem die Smarts die Höhlen schon gesehen haben, brechen wir zu einem kleinen Bush Walk auf, der in der Nähe von anderen Höhlen bei einem Picknickplatz endet. Das übliche Gemotze zu Beginn, aber Stöcke, Kirschen unterwegs und andere Kinder relativieren das Ganze ein wenig.

Auf großer Fahrt
Das Wandern ist des Müllers Lust…
Kletterbäume am Picknickplatz

Nach Abholservice vom Picknickplatz, Eis und einer Erfrischung im Pool sind alle wieder versöhnt. Es wird Fahrrad gefahren, Prinzessin und Diener gespielt (macht beachte die Glitzerverkleidung unten), auf dem Trampolin gesprungen und, besonders wichtig, überkreuz Hörspiele und Musik gehört – die eigenen kennt man ja schon zu Genüge…

Glitzerspaß

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen. Nach einem erfolglosen Versuch, die Glowworm Caves anzusehen (alle Touren des gesamten Tages sind ausgebucht bis 18:00 Uhr!?!), fahren wir weiter Richtung Süden, Ziel New Plymouth.

Gute Reise Euch allen!

Weihnachten…

…ist dieses Jahr natürlich mal ganz anders, was aber angesichts der Tatsache, dass ja auch die ganze Vorweihnachtszeit mehr oder minder sonnenscheinbedingt irgendwie an uns vobeigegangen ist und wir sowieso noch keine richtig “eigene” Weihnachtstradition haben, sondern in den letzten Jahren immer mit den einen oder anderen Großeltern gefeiert haben, nicht so schlimm ist. Finde ich zumindest.

Weihnachtsbäume, Lichterschmuck und Jingle Bells begegnen uns natürlich schon die ganze Zeit (selbst auf dem Campingplatz sind einige Zelte ganz ordentlich mit Blicklichtern ausgestattet), wollen aber angesichts des (meist 😉 ) schönen Wetters gar nicht so richtige Weihnachtsstimmung aufkommen lassen.

Mmmh…

Den Laternenumzug haben wir dieses Jahr verpasst, der Nikolaus hat dieses Jahr auch nur ganz wenig dagelassen, schmilzt ja alles (und Eis schmeckt bei sommerlichen Temperaturen einfach besser) und Plätzchen backen beschränkt sich umständehalber auf eine Cookies-Backmischung mit Smarties. Aber immerhin…

Am 24sten fahren wir, nachdem noch ein paar Vorbereitungen für das Essen getroffen sind, zum Hot Water Beach. Dort kann man mit sich seinen eigenen Thermalpool am Strand graben. Das finden die Kinder super, nur Carlotta muss passen. Sie hat von Mücken zerstochene Beine und heißes Salzwasser brennt wie Hölle, entnehme ich dem Geschrei nach dem ersten Versuch im warmen Pool zu baden. Sie beschränkt sich aufs Felsen klettern und macht dann lieber einen Spaziergang mit der Mama am Strand.

Ingo in himmlischer Ruh und die Kinderlein kommen

Nach dem Weihnachtseis anstelle von Lebkuchen und co geht es wieder zurück und wir schicken alle durch die Dusche (schließlich heißt es “Leise rieselt der Schnee” und nicht der Sand). Ich bereite das Weihnachtsessen zu – Kartoffelauflauf mit Brokoli und Blumenkohl (Ingos Idee), dazu Weihnachtslimonade für die Kinder und Prosecco für Ingo und mich. Lecker! Dann dürfen die Kinder Weihnachtsfernsehen sehen, damit ich abspülen und Ingo bescheren kann…

Stilvoll mit Plastikgeschirr in der Campingplatzlounge
Mann tut, was man kann in Ermangelung eines Baumes

Und dann geht es los, viel später als sonst, weil es hier natürlich auch erst gegen 21 Uhr dunkel wird. Erst werden Weihnachtslieder gesungen, dann darf aufgepackt werden…

Am Weihnachstbaume die Lichter brennen…
Das Christkind war da!
Leuchtende Kinderaugen
Wow

Habt noch schöne Feiertage und kommt gut ins neue Jahr! See you then!

Schietwetter

Erstmals seit wir hier sind, erleben wir richtig heftigen Regen, zum Glück nicht sehr lange (und wir sind immer noch froh, dass wir uns nach unserer Ankunft entschieden haben, erstmal die Nordinsel anzusehen, sonst hätten wir uns vor Schietwetter und mieser Stimmung wahrscheinlich gar nicht retten können…). So ein paar Schauer hier und da hatten wir ja schon ab und zu, aber dieses Mal ist es echt mal fieser, heftiger Regen mit ziemlichen Böen, der einen binnen kürzester Zeit komplett durchnässt.

Es erwischt uns zum ersten Mal bei einem Ausflug mit einer Minieisenbahn auf der Coromandel-Peninsula, die ein Töpfer mit seinen Töpferkünstlerkollegen gebaut hat, um den Ton vom Berg in die Töpferwerkstätten zu transportieren (so habe ich das zumindest verstanden). Der kleine, offene Zug und sein Weg durch den Wald, rechts und links immer wieder verziert mit Tonskulpturen und allerlei anderen Kunstwerken am Wegesrand, bis hin zum “Eyefull Tower” sind spektulär. Man fährt auf schmalen Schienen durch den Regenwald, immer ziemlich steil nach oben, immer mal wieder atemberaubende Ausblicke auf Meer oder eben unerwartete Kunstwerke zu beiden Seiten des Weges. Leider beginnt es schon zu Beginn der Fahrt zu regnen, was den Start schon etwas ungemütlich gemacht, aber mit Regenjacken und die Kinder noch zusätzlich Gummistiefel ausgerüstet, geht es los. Nach kurzer Zeit schüttet es aus allen Löchern und der besagte Wind führt dazu, dass das Dach über uns zwar den Regen von oben abhält, aber von den Seiten weht es uns nass. Brr… Unten angekommen machen wir eine “Zwangspause” mit heißer Schokolade und Kaffee, weil wir es immer noch so schüttet, dass wir den kurzen Weg zum Wohnmobil scheuen.

Blick vom “Eyefull Tower”
Schienen am Berghang entlang

Auch an den darauffolgenden Tagen ist uns der Wettergott nicht so hold, immer wieder heftige Schauer und starker Wind. Wir machen Stop in Miranda an einem Campingplatz mit Thermalschwimmbecken. Kaum sind die Kinder im Becken, öffnet der Himmel mal wieder seine Pforten, aber im badewannenwarmen Thermalbecken mit Sonnensegel lässt sich so ein Wolkenbruch ganz gut aushalten.

Blaubeer-Pflücken geht auch bei Wind

Nächster Outdoor-Aktivitätsversuch: Wir wollen einen kleinen “Walk” durch eine Schlucht in der Nähe von Waihi machen, die uns auf der Fahrt schon angelacht hat. Aber just angekommen, fängt es wieder an zu regnen und winden. Der Gedanke, die Kinder bei diesem Wetter aus dem Wohnmobil zu scheuchen, ist nicht besonders erquicklich. Nichts gegen Wandern, im Gegenteil, das würde ich gerne öfter machen, aber bei so einem Wetter… (und jetzt bitte nicht “Es gibt kein falsches Wetter nur falsche Kleidung”-Spruch 😉 ) Am Parkplatz angekommen, lässt der Regen etwas nach und Ingo nötigt uns nach draußen. Same procedure, Regenjacken an, die Kinder werden mit alten Eisenbahntunneln und Taschenlampen nach draußen gelockt und los geht es. Diesmal ein “Loop” über alte Hängebrücken, am ehemaligen Goldgräberfluß entlang, vorbei an diversen Goldwaschruinen durch einen alten Eisenbahntunnel (1,5 km lang!) wieder zurück zum Ausgangspunkt. Auch hier erwischt uns am Ausgang des Tunnels ein heftiger Schauer auf dem Weg zurück zum Kraupa-Mobil. Schon wieder nass, aber die Kinder tragen es mit Fassung. Coole Wanderung, nur ein wenig nass eben…

Hängebrücke – wackelig…
Leider kein Gold mehr im Fluß nur schöne Ausblicke…
Tunneleingang
Kleiner Tunnelforscher

Noch ein paar Eindrücke von der Coromandel-Peninsula und vom Weg zwischen Coromandel, Paeroa und Waihi-Beach…

Ökologisch voll korrekt nur mit Muskelkraft betrieben…
It’s been a hard day’s night…
Wind Nordost, Startbahn Null Drei…
Tiere füttern – hurra!
Und der Bodo mit dem Bagger und der baggert noch…
Mama-Beachart

Geburtstagsausflug ins Auenland

Seit sehr langer Zeit habe ich mal wieder im Sommer Geburtstag (das letzte Mal muss wohl in Chile gewesen sein, bald 20 Jahre her…). Es gibt zwar keinen Schnaps zur Schnapszahl (was aber bei Gelegenheit natürlich noch nachgeholt werden muss), aber dafür ein schönes Familienfrühstück in der Sonne, in Takapuna mit leckeren Geburtstagsmuffins, diversen anderen Leckereien, Geschenken und Geburtstagsgesang. Und dann geht es los…

Auf geht es nach Hobbingen…

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt nach Matamata schaffen wir eine Punktlandung zur Tour mit Lunch zum Filmset des kleinen Hobbits. Die Kinder wurden entsprechend vorher gebrieft, damit sie auch wissen, wohin die Reise geht. Sie ganz wild darauf, einen Drachen zu sehen, oh je…

Wir stärken uns erstmal beim Hobbitlunch, eine wirklich leckere Abwechslung zum Camper-Food, bevor uns Josh durch Hobbiton führt und allerlei interessante Anekdoten vom Filmset erzählt. Leider bekommen Ingo und ich nicht allzu viel mit, weil unsere Kinder gerade ihre fünf Minuten haben und all das tun, was nicht erlaubt ist und natürlich ist Laufen auch mal wieder total doof. Dann fängt es auch noch zu regnen an, hurra.

Welcome to Hobbiton
Hobbitse, our little preciousssss, zumindest haben sie die richtige Größe
Das Auenland – alles auf einer riesigen Farm südlich von Auckland
Hobbit-Familie

Zum Glück bekommt jeder am Ende noch ein (alkfreies Ginger-)Beer im Dragons Inn und ein Eis am Ausgang. Das hebt die Kinderlaune und unsere auch.

Wir haben keine Lust mehr noch weit zu fahren, deswegen landen wir bei einem Campingplatz in der Nähe mit dem verheißungsvollen Namen, Opal Springs, und tatsächlich gibt es Pool mit Thermalwasser. Ein schöner Abschluss für einen Geburtstag in de Ferne…

Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag “stolpern” wir über den Waiwere-Fall, den höchsten Wasserfall Neuseelands. Wir machen spontan Sandwich-Mittagspause und nötigen die Kinder dann auf den Wanderweg Richtung Wasserfall. Ein wunderschöner Weg mit riesigen, moosbewachsenen Felsen mäandert durch zauberhaften einen Elbenwald, daneben immer wieder der Fluss mit riesigen Steinen, der zum Klettern einlädt (was wir natürlich auch tun) und tatsächlich schaffen unsere kleinen, zum Teil so fußlahmen Kinderlein nicht nur den Weg durch den Wald, sondern auch den stufenreichen Aufstieg zum Aussichtspunkt. Oben angekommen sind wir alle mächtig stolz!

Auf der Suche nach Waldelben…
Eine gefunden auf dem Weg in den Düsterwald 😉
Kleine Erfrischung im Fluss
Geschafft!

Kleine Highlights auf dem Weg zurück…

Auf dem Weg wieder zurück Richtung Auckland gibt es natürlich auch wieder das eine oder andere Highlight. Nachdem wir die Ostküste im Norden ziemlich “abgegrast” haben, halten wir auf dem Rückweg von Cape Reinga mal eher an die Westküste, die zwar auch schön ist, mich aber nicht so sehr begeistert, wie der Osten.

Nachdem wir uns schon seit geraumer Zeit an der Kauri-Coast befinden, ist es auch an der Zeit, endlich mal diese riesigen Bäume bewusst anzusehen. Viel hört man überall über eine Krankheit, die diese Baumriesen dahinrafft und sieht immer wieder die Vorsichsmaßnahmen, die getroffen werden, damit sie sich nicht weiter verbreitet. An den Eingängen zu Naturparks gibt es immer wieder Schuhreinigungsstationen, damit die Wandersleut` nicht versehentlich die Krankheit einschleppen.

Auch das Crogs-Profil will gereinigt werden

Wie es der Zufall so will, führt uns der Weg nach Süden durch den Waipoua Forest am größten und ältesten Kauribaum Neuseelands vobei, dem Tane Mahuta, gut 50m hoch und sein Alter wird auf 1500-2000 Jahre geschätzt. Damit ihm ja nichts passiert, müssen zunächst die Schuhe gereinigt und desinfiziert werden, danach führt ein Holzpfad durch den Wald und nach schlappen 5 min ist man auch angekommen (das haben diesmal alle ohne großes Murren geschafft). Natürlich darf man nicht an den Baum ran, es sitzt sogar ein Baumwächer da, der aufpasst, dass niemand über das Geländer klettert und unerlaubterweise zum Baum läuft. Also, obligatorisches Foto gemacht (dummerweise ist der Baum so hoch, dass man ihn von der Aussichtsplattform aus gar nicht ganz auf das Bild bekommt) und wieder zurück. Tatsächlich haben wir auf unserem Weg durch den Norden schon viele Kauri-Leichen stehen sehen, Geisterbäume, die ein wenig an Caspar David Friedrich erinnern, nur ganz bleich.

Außerdem schauen wir einen Gumdiggers Place an, d.h. einen Ort, an dem im 19. Jahrhundert nach Kauri Gum, also Kauri-Bernstein gegraben wurde. Auch hier gibt es einen befestigten Pfad, was echt gut ist, denn der Wald gleicht einem Schweizer Käse, überall große Löcher im Boden (nachdem diesmal Moritz Theater macht, bin ich kurz versucht, in einem der Löcher abzustellen und ihn später wieder abzuholen, wenn ich mir alles in Ruhe angesehen habe). Benjamin meckert nicht, es gibt genug alte Maschinen, Bohrer, Sägen etc., die spannend sind.

Tane Mahuta

Nachts bleiben wir auf einem Campground im Waipoua Forest, in dem es sehr zum Entzücken der Jungs einen alten ausrangierten, blau angemalten Traktor zum Spielen gibt und einen Schaukel, auf dem man in den Himmel schaukeln kann, so hoch. Leider gibt es auch noch unendlich viele Mücken, so dass sogar ich mal gestochen werde. Außerdem werden wir von einer Unmenge winziger kleiner brauner Käfer invadiert, die auf einmal überall herumkrabbeln. Bäh!

Ein weiterer Zufallsstop auf der Suche nach einem Nachtquartier, d.h. einem Stellplatz für unser Kraupa-Mobil führt uns ab von den ausgetrampelten Pfaden zu einer Farm, Tui Inn, irgendwo in der Pampa, wo es nicht nur alte Dreiräder und Roller gibt, sondern auch noch Pferde, Kühe, Schafe und zwei Welpen. Carlotta und besonders Natalie sind hin und weg. Moritz jammert über Bauchschmerzen und dass es stinkt, weil der Farmer gerade einem geschlachtetes Wildschwein die Borsten abbrennt und Benjamin ist mit seinem Dreirad glücklich. Wir bekommen Fisch geschenkt und Ingo kocht uns ein leckeres Abendmahl, das leider bei den Kindern wenig Anklang findet. Fisch, der nicht wie Fischstäbchen aussieht, wird verweigert. Na gut, dann gibt es halt Reis mit ohne alles und ein bisschen Gurke, Karotte und Tomate dazu. Die Kinder sind zufrieden, der Vater hat einen Eiweißschock und ich muss Moritz betüdeln, dem es schlecht ist.

Pferde füttern
Glückliches Hausschwein
Die Sau, die stinkt, iiih
Jagdtrophäen und andere Kuriositäten in der Cabin
Armer, kranker Moritz
Lecker Snapper von Maitre Ingo

Die Nacht ist nicht so erquicklich, Moritz muss das angetaute Eis vom Nachmittag wieder von sich geben, der Arme, und ich muss raus in die dunkle Nacht, die Auswürfe im Plumpsklo entsorgen, das auch schon bessere Tage gesehen hat (Die letzten Farmstay-Gäste scheinen schon etwas her gewesen zu sein). Zum Glück ist irgendwann der Magen leer, das Kind schläft ein und ich auch.

Am nächsten Tag ist mein Nervenkostüm etwas dünn, denn die Nachtruhe mit kotzendem Kind war ja auch eher dünn. Auch Carlotta ist angeschlagen und hustet seit ein paar Tagen richtig heftig, so dass ich der Wasserratte Badeverbot erteilen muss. Miese Stimmung, besonders als wir beim Lake Kai Iwi Mittagspause machen.

Seestrand

Versöhnlicher dann abends in Baylys Beach: Unweit des Campingplatzes bei der einzigen Dorfkneipe, -bar und -restaurant gibt es einen richtigen Sandkasten und es kommt noch besser, es sind große Laster und Bagger drin (nicht dass wir nicht ständig an irgendwelchen Stränden Sand spielen könnten…). Alles ist wieder gut!

Sandkastenglück

Letzte Stops vor neuen Ufern südlich von Auckland ist mal wieder Whangerei (da gibt es einen wunderbaren Spielzeugladen fürs Christmas-Shopping), außerdem finden wir es dort einfach schön und Takapuna Beach, Auckland. Schöner Strand, super Spielplatz, leckeres Eis, leckerer Kaffee und leckeres Brot…

Aus aktuellem Anlass…

…einfach mal kurz dazwischen geschoben. Anscheinend kursieren gerade die Nachrichten vom Vulkanausbruch auf der White Island in Neuseeland in den Medien, ebenso wie die über die extremen Regenfälle auf der Südinsel, die zu Erdrutschen, Überschwemmungen und längerfristigen Straßensperrungen geführt haben, so dass Leute z.T. irgendwo festsitzen. Deshalb zur allgemeinen Beruhigung, uns geht es gut. Anstelle von Weihnachtssternen, rotblühende, weihnachtlich anmutenen Bäume….

Die Kinder sind wohlauf, ich fotografiere und Ingo ist in den Vulkan gesprungen (Scheeerz!)

Cape Reinga and return

Cape Reinga

Inzwischen haben wir es zum nördlichsten Zipfel Neuseelands geschafft, wo wir erstmals auch auf richtig viele andere Touristen stoßen, logisch, es ist ja auch eine Touri-Attraktion. Aber eben auch ein mythischer Ort, zumindest für die Maori, für die dort die Seelen der Toten die Erde endgültig verlassen haben und ins Meer zurückgekehrt sind. Irgendwie kann ich das nachvollziehen, es ist tatsächlich ein erhebendes Gefühl, da aufs Meer zu blicken, wo die beiden Ozeane aufeinanderprallen, mit riesigen Wellen, die sich brechen, ein kontinuierliches Rauschen im Ohr – ein beeindruckendes Naturschauspiel. Es ist gewissermaßen der Höhepunkt, der vorausgehenden Tage.

Also der Reihe nach: Unser erster Stopp nach Kerikeri ist in Matauri Bay, ein Geheimtipp einer Marktfrau in Kerikeri) auf einem Campingplatz auf dem äußeren Zipfel einer Landzunge, das heißt, wir haben auf der einen Seite einen langen, weißen Sandstrand und auf der anderen einen kleinen Steinstrand und wir mitten drin. Schöne Aussichten, definitiv!

Auf einem kleinen Kliff findet sich außerdem nach einen kurzen, aber steilen Aufstieg ein Denkmal für ein gesunkenes Greenpeace Schiff, die Rainbow Warrior – wieder die übliche Leier, die Mädels sind tapfer, aber Benjamin kann unmöglich so weit laufen (leider vergisst er nach solchen Aktionen immer sehr schnell, dass er es dann doch immer ganz gut hinbekommen hat…). Wir bleiben zwei Nächte, weil es so nett ist und fahren dann weiter nach Houhora, mal wieder ein Campingplatz mit kleinem Pool und kleinem Spielplatz mit Trampolin – vier glückliche Kinder (außerdem gibt es eine Waschmaschine mit Heißwaschprogramm, was angesichts der ganzen Pipiunfallunterhosen der Kinder die Mama freut – man wird bescheiden, was die kleinen Glücksmomente des Lebens angeht…)

Captain Ingo und das Rainbow Warrior Denkmal

Das nächste Highlight ist ein Ausflug zum Ninety Miles Beach, der wie der Name verrät, endlos erscheint. Nach 10 km Schotterpiste erreichen wir im Nichts, eine kleine Campsite, bei der aber außer einer Handvoll versprengter Backpacker niemand ist. Dafür gibt es riesige Sanddünen, dahinter das Meer mit tosenden Wellen und Strand bis zum Horizont. Die Kinder jubeln angesichts der riesigen Dünen und beginnen sie mit allerlei Strandfundstücken zu bearbeiten. Ingo und ich dürfen uns jeweils abwechselnd entfernen und so laufe ich ein Stück der 90 Meilen entlang und genieße das Naturspektakel. Ingo wagt sich tatsächlich in die Fluten, aber nur ein wenig, zu heftig sind die Wellen. Und eigentlich ist auch sowieso kein Badewetter. Ich kehre mit zwei Handvoll Strandgut zurück, leider ist ziemlich viel Plastik dabei, auch im Sand sieht man immer wieder kleine bunte Stücke irgendwas, die sich bei näherer Betrachtung als klein gemahlene Plastikstückchen entpuppen. Nicht schön. Tierknochen, Treibholzstücke und große Muscheln werden sofort für den Dünentagebau eingeheimst, die Plastikteile darf die Mama für den Müll behalten. Na toll. Zwei Stunden später sitzen vier vollkommen versandelte Kinder im Wohnmobil und wiederholen eins ums andre Mal, wie toll die Dünen doch waren und dass wir unbedingt wieder zurückkommen müssen. Da wussten sie noch nicht, was der nächste Tag bringen würde….

Alle Schuhe aufgefädelt
Und ab in die Dünen
Düne rauf, Düne runter
Strand, Strand, Strand

Kurz vor Cape Reinga gibt es einen Abzweig mit den Schild “Giant Dunes” und auf dem Weg dorthin kann man sich alle Nase lang Boards zum Sandboarden ausleihen. Das hört sich nach Familienspaß an. Wir packen unsere Bodyboards ein, hoffen, dass sie sich als Schlittenersatz eignen und machen uns auf den Weg nach oben…

Kurze Zeit später wird die Düne noch von ungefähr 30 Teenagern gestürmt, die offensichtlich auf einem Schulausflug sind. Die Lehrerin steht unten und filmt die spektakulärsten Abfahrten (sie hatten die richtigen Bretter dabei…). Das wäre mal eine Sache für den Wandertag an unserer Schule!

Sandiger Aufstieg
Bereit für die Abfahrt
Egal wie, irgendwie rutscht es nicht so richtig
Eine Gaudi
Dünen, Dünen, Dünen

Seit dem Nikolaustag sind wir erstmals wieder gen Süden unterwegs.

Russell

Diesmal ein historischer Stopp im hübschen, kleinen Küstenort Russell, in dem James Cook als erster Europäer in Neuseeland gelandet ist. Von dem ehemals verrufenen Hafen – “Hellhole of the Pacific” – ist nichts mehr zu erahnen. Stattdessen ein kleines, touristisches Örtchen mit schöner, viktorianischer Strandpromenade.

Swinging

Wir fahren einen Campingplatz an, der damit wirbt, der neuseeländischen Vogelwelt einen Platz zu geben. Tatsächlich läuft neben Hühnern und Enten diverses anderes Viehzeug herum, was die Kinder zunächst entzückt, ebenso wie die Tatsache, dass es einen kleinen Pool gibt, wärmer und weniger salzig als das Meer. Das Entzücken über das Wildlife lässt allerdings relativ schnell nach, als wir abends grillen und wir uns zwischen Vogelschissen auf den Holzbänken und Boden einen Platz suchen müssen, der halbwegs sauber ist. Außerdem hat das Viehzeug natürlich im Nu mitbekommen, dass es da lecker Essen gibt und unter, neben, zwischen den Tischen und auch sonst überall kräht, quakt und gackert es. Und der Hahn auf dem Mist macht cockadoodledoo…

Nachdem uns das Federvieh am zweiten Tag schon gewaltig auf den Zeiger geht (ein eindeutiger Fall von “wildlife harrassment”, die Frühstücksbrösel werden quasi schon vor dem zu Boden fallen zwischen den Beinen aller Beteiligten verspeist) wechseln wir nach dem von den Kindern eingeforderten Poolgang die Campsite und fahren in den Top10 Holiday Park am anderen Ende von Russell, alles sauber, alles schön, kein Pool, aber dafür einen Spielplatz und ein paar andere Kinder im passenden Alter.

Carlotta findet ein herrenloses Einhorn im Pool

Nachdem Natalie, Carlotta, Benjamin und ich im Russell Museum diverse Segelschiffe, Haigebisse, Walknochen und alle möglichen Dinge zu James Cook erfahren haben, schlägt Ingo für den nächsten Tag einen Segeltörn auf einem alten Zweimaster vor. “Jaaa!” rufen sie alle…

Unser Schiff, Cook-Feeling
Carlotta und Ingo hängen in den Seilen
Ahoi

Für alle ist was dabei: Natalie und Carlotta (und der Papa auch) klettern was das Zeug hält, Moritz und Benjamin dürfen ans Steue und alle Kinder helfen beim Segel hissen und sind begeistert. Bei einer kleinen Insel machen wir Stopp: Die Crew bereitet das Mittagessen vor und wir erkunden die Insel. Die Begeisterung schwindet, man(n) muss laufen. “Ich kann nicht so weit laufen!!” sagt Benjamin beim Betreten des Strandes…

Waldelfen
Der Törn

Nach dem Mittagessen an Bord mit dem ersten richtig guten neuseeländischen Rotwein törnen wir noch ein wenig um die Inseln vor Russell und sind dann nachmittags wieder zurück und weiter geht es mit unserem Schiff.

Bei einem Besuch des Farmer Markets in Kerikeri, tauschen wir drei unserer Kinder gegen drei kleine Tiger, sicher auch nicht mehr Gekratze und Gefauche als bisher…

Die anschließende Raubtierfütterung findet am Fluss direkt neben Neuseelands ältesten erhaltenen Gebäude (komplett aus Stein erbaut, nicht, wie sonst üblich aus Holz), dem Stone Store, statt.

Tutukaka (Titicaca kenne ich ja schon…)

Wir arbeiten uns immer weiter nach Norden vor und machen Halt in Tutukaka – mehr ein “Haushaltsstopp” als alles andere. Wir haben diverse Unfälle: Pipiunfall nachts im Bett, Überschwemmung von Kühlschrank und Herd (nix geht mehr) etc., d.h. Ingo nimmt den Herd und den Kühlschrank auseinander und trocknet alles, so gut es geht, und ich wasche Berge von Wäsche.

Die Kinder fahren Rad, genießen den Spielplatz (O-Ton Moritz: “Ich möchte mal wieder wohin, wo es einen Spielplatz gibt, Papa!” und erkunden den Campingplatz.

Nach einem Tag werkeln und Camper in der Sonne, funktionert zum Glück alles wieder.

Als Ausgleich eine Bootsfahrt zu einer kleinen Bucht, die wir fast für uns alleine haben

Carlotta testet ihre neue Wetsuit in der Spätnachmttagssonne
Das Familienkanu