Inzwischen sind wir im Zentrum der Nordinsel angekommen und da dampft, brodelt und stinkt es vielerorts – geothermal activities heißt das hier. Heiße Quellen und Thermalbäder an allen Ecken und Enden. Wir beginnen in Taupo, ein ziemlich touristischer Ort und beginnen mit “Urlaub vom Urlaub”. Wir landen auf einem Campingplatz mit riesigen Pool (endlich mal einer, der seinen Namen auch verdient) mit Swim-up Poolbar (was Ingo besonders entzückt) und einer riesigen Leinwand, auf der zweimal täglich Familienkino läuft (was die Kinder sehr entzückt). Das Wasser ist angenehm warm und müffelt zum Glück nicht. Außerdem gibt es noch zwei weitere, kleinere Pools, einen Spielplatz, zwei riesige Hüpfkissen, Outdoor-Schach und Dame, einen Fahrrad-Hindernis-Parkour, Waschmaschinen mit Heißwaschprogramm (was la mama freut 😉 ) schlicht weg alles, was das Camper-Herz begehrt.


Wir bleiben gleich mal vier Tage, schließlich ist das ständige Zigeunerleben mit hier mal eine Nacht, dort mal einen Nacht auf Dauer auch etwas anstrengend und vor allem die Kinder freuen sich, wenn sie mal länger irgendwo bleiben können (und wenn man dann auch noch im Pool Filme ansehen kann…). Moritz stellt den Dauerplantschrekord auf. Er geht gegen halb zwölf in den Pool, um den Mittagsfilm anzusehen, verlässt ihn danach kurz für drei Stück Pizza zum Mittagessen und verbringt den Tag bis ungefähr sieben Uhr abends plantschenderweise. Irgendwann sieht er entsetzt seine, vom Wasser extrem aufgeweichten Hände an und fragt entsetzt, was das ist und ob das wieder weg geht. Hihihi… Ein Wunder, dass sich da Kind nicht irgendwann im Wasser aufgelöst hat.

Dann geht es weiter in das Herz des Hexenkessels, nach Rotorua. Die ganze Stadt stinkt nach faulen Eiern und besteht aus tausenden Hotels mit Thermalpools und Spas. Überall dampft und brodelt es. Wir stellen uns auf einen Freedom Camping-Platz gleich neben einem Blubberpool mit entsprechender Duftnote. Großes Protest-Geschrei setzt ein, keiner möchte das Wohnmobil verlassen. Wir ignorieren das Geschrei und komplementieren die Kinder nach draußen, schließlich wird der Gestank vom im Wohnmobil sitzen auch nicht besser. Zum Glück ist gleich ums Eck ein Art Centre mit kleinem Café, Malsachen, einer Kinderspielecke und einer alten Schreibmaschine, cool! Auf einmal ist es dann doch nicht so schlimm… Wir erkunden die “Stinkestadt” und entdecken bei der Touristeninfo einen Spielplatz, der eher wie moderne Kunst aussieht. Außerdem stellen wir fest, dass es in der öffentlichen Bücherei gleich daneben eine Kinderlese-Ecke mit Verkleidungskiste gibt. Möge die Macht mit dir sein..




Für den nächsten Tag buchen wir einen Besuch in einem Maori-Dorf, das quasi zwischen Schwefelblubberlöchern und Geysiren gebaut ist und den Redwood-Treewalk.

Erneut großer Protest als wir uns dem blubbernden Dorf (in der Stadt) nähern, es ist warm und eine deutliche faule Eier-Note liegt in der Luft. Die Jungs sind “not amused” und Ingo versucht sie irgendwie zu überzeugen, das Dorf zu betreten, während die Damen-Fraktion sich schon mal der Besuchergruppe anschließt, die von einer ortsansässigen Maori durch den Ort geführt wird. Carlotta gefällt am besten, als sie erzählt, dass eine Frau eines Morgens durch einen Krach geweckt wird, in ihre Küche gehen möchte und feststellen muss, dass da jetzt ein Loch ist, aus dem es nach Schwefel stinkt. Es ist tatsächlich bizarr, überall qualmt oder sprudelt es aus der Erde und der Gedanke, dass sich der Boden vor einem auftut und verschlingt, ist nicht so absurd. Die Maori ziehen jedenfalls den maximalen Nutzen daraus: Es gibt kommunale Schwefelöfen zum Essen kochen, Heiße Quellen werden zum Gemüse kochen benutzt und öffentliche Badewannen werden stündlich automatisch mit heißem Wasser neu befüllt. Verrückt. Zum Abschluss noch eine musikalische Darbietung mit anschließendem Fototermin. An sich sehr schön und interessant, wenn da nicht unser Likud-Block gewesen wäre…




Nichtsdestotrotz atmen wir im Wald beim Tree Walk alle erstmal tief ein, kein Schwefel-Gestank, nur duftender Wald, durch den wir auf ungefähr 10m Höhe laufen.


Wir beenden in sicherer Entfernung den Tag friedlich am herrlich duftenden Lake Roititi auf Pamelas Driveway, der Hauseinfahrt eines wunderbar netten älteren Ehepaars, das uns für einen Apfel und ein Ei bei sich stehen und uns Dusche und Toilette benutzen lässt und den Kindern allerlei Spielzeugschätze ihrer Enkelkinder zum Spielen überlässt. Wunderbar!

