Nachdem das Wetter auf der Südinsel insgesamt etwas unbeständiger und kühler ist, folgen wir auf unserer Reise nicht den üblichen Touristenrouten, sondern schauen immer erstmal wo die Wetterprognose am besten ist und fahren der Sonne hinterher. Das klappt eigentlich ganz gut. Manchmal dauert es zwar ein wenig bis sie zum Vorschein kommt oder es ist eben schon ein wenig herbstlich kühler, aber im Großen und Ganzen fahren wir damit ganz gut und so verschlägt es uns in den Peel Forest, auf einen Campingplatz ohne großem Schnickschnack im Nichts in der Nähe des Rangitata, einem größerem Fluss. Nachdem einmal kurz Beschwerde wegen des fehlenden Spielplatzes eingelegt wurde, sind die Kinder schon mit den Fahrräder auf Erkundungsfahrt aufgebrochen. Geht auch ohne. Ich erkunde mal wieder die Waschmaschine.

Während sich die beunruhigenden Nachrichten aus Deutschland weiter mehren, scheint in NZ noch alles relativ ruhig. Wir fahren weiter zu Lake Tekapo. Nachdem wir mit den Großeltern zusammen fast immer auf Campingplätzen waren, genießen wir jetzt mal wieder das Freedom Camping, vor allem auf NZMCA- (dem Pendant zum deutschen ADAC) Plätzen oder DOC Sites (das sind staatliche Campingplätze mit i.d.R. nur sehr rudimentärer Ausstattung, d.h. meist nur Toiletten und sonst nichts). Da sind deutlich weniger bis keine ausländischen Touristen anzutreffen, nur jede Menge NZies älteren Semesters, die jetzt endlich nach Ende der Schulferien in Ruhe Urlaub machen und den Spätsommer genießen können. Die Ruhe mischen wir mit unseren vier Kindern immer erstmal ordentlich auf. Außerdem liegen sie oft an besonders schönen Flecken…



Nach zwei wunderschönen spätsommerlichen Tagen wird es kalt und wir ziehen weiter der Sonne hinterher Richtung Landesinnere, machen aber dann spontan einen Abstecher zu Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Je näher wir kommen, desto mehr reißt die Wolkendecke auf und die Sonne lässt sich wieder blicken. Juhu, der Plan geht auf. Es ist zwar schon relativ spät als wir ankommen und trotz Sonne ziemlich windig, aber wir beschließen kurzerhand, noch den Hooker Valley Track zu wandern, der bis zum Gletschersee des Mount Cook führt. Der Weg ist einfach, wenig steil, führt durch tolle Landschaft und es gibt drei ziemlich spektakuläre Hängebrücken zu überqueren. Drei Stunden hin und zurück werden veranschlagt, also dreieinhalb bis vier Stunden mit den Kindern. Die finden die Aussicht auf Wandern natürlich nicht besonders attraktiv, machen aber mit, weil ihnen ja nichts anderes übrigbleibt. Tatsächlich schlagen sie sich ganz wacker bis auf die letzten 20 Minuten (die häufig mühsam sind) und für alle Beteiligten eine Tortour ist. Aber so kurz vor dem Ziel ist Aufgeben und Umkehren natürlich auch keine Option mehr. Also ziehe ich abwechselnd zwei bis drei Kinder die letzten Schritte bis zum Gletschersee. So richtig freuen kann ich mich ob der nervigen letzten Meter erstmal gar nicht über die bombastische Aussicht. Außerdem ist es extrem windig und die Sonne fängt schon an, hinter den Bergen zu verschwinden. Ich fürchte mich vor einem kalten und furchtbar nervigen, eineinhalbstündigen Rückmarsch, während die Kinder mit plötzlicher Begeisterung (gerade zuvor schien noch kein einziger weiterer Schritt möglich) auf den ca. 4 Grad kalten Gletschersee mit “Eisbergen” zu rennen und auf den Steinen herumzuklettern beginnen. Ich kann gar nicht hinsehen…



Etwas durchgepustet, aber zum Glück trockenen Fußes kommen wir alle wieder heil am Wohnmobil an und freuen uns über eine heiße Suppe. Sollten jetzt einer über eine laufende Nase klagen, wissen wir wenigstens, woher sie kommt…
Weil es gar so schön war, fahren wir am nächsten Tag noch zum Tasman Glacier, bei dem es (zum Glück) nur sehr kurze Wanderwege gibt, eigentlich sind es eher Spaziergänge von maximal einer halben Stunde, die aber nach der Tour vom Vortag große Überzeugungsarbeit benötigen.
