Lockdown: Tag 6

Es bleibt weiter spannend. Nachdem sich in den letzten Tagen schon viele Menschen gemeldet und nach uns gefragt haben, mal wieder ein Update vom Lockdown. Uns geht es “den Umständen entsprechend” ziemlich gut, noch ist unser Campingplatz nicht langweilig, im örtlichen Supermarkt gibt es genug zu essen, unsere Hosts sind immer noch freundlich, das Wetter wird wieder besser und eigentlich können wir uns nicht beklagen, wenn man sich mal die Corona-Zahlen und Berichte aus anderen Ländern zu Gemüte führt.

Nichtsdestotrotz gibt es eine überraschende Wendung, die neuseeländische Premierministerin hat die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes vorübergehend bis zum 31.03. auf Eis gelegt. Man habe gesundheitliche Bedenken, heißt es, wenn sich auf einmal Tausende von europäischen Touristen durch das Land in Richtung Auckland und Christchurch in Bewegung setzen (wobei viele Ausreisewillige sich bereits in Flughafennähe befinden, weil die Deutsche Botschaft hier in NZ schon dazu aufgerufen hatte). Ein Flieger überwiegend voll mit AustauschschülerInnen durfte vergangenen Samstag noch starten, der für den Abend geplante Flug wurde dann schon gecancelt.

Seitdem wird in den sozialen Medien gerätselt, was da wohl vor sich geht und warum es “so lange” dauert, bis es weitergeht, ob es weitergeht… Petitionen von verzweifelten Backpackern und / oder ihren Eltern werden gepostet und an Jacinda Ardern geschickt, dass sie doch bitte, bitte alle nach Hause lassen soll. Ob das so zielführend ist, weiß man nicht, schließlich gibt es anscheinend auch noch genug junge Leute, dies sich nicht an die Lockdown Vorschriften halten, Party machen und weiter durch das Land tingeln. Auch kontraproduktiv.

Whatever, so ganz eilig haben wir es ja nicht und irgendwie werden sich das Auswärtige Amt und NZ schon einig werden und uns ausfliegen, eventually. Denn egal wie lange der Lockdown hier dauert, mit Reisen wird so oder so erstmal vorbei sein und bis Juni hier auf dem Campingplatz zu bleiben, ist doch ein wenig zuviel des Guten. Deswegen jetzt leider keine schönen Landschaftsbilder, sondern mehr die “Corona-Urlaub-auf-dem-Bauernhof”-Fotos und Berichte aus dem “Corona-Camp-holt-uns-hier-raus”. 😉

Jetzt stehen wir alle im Regen
Grillen mal ganz ohne Weber
Marshmallow bubble
Flying Fox

Lock Down: Tag 1

Nach den etwas tumultuösen letzten Tagen sind wir in einem Campingplatz in Geraldine, das ist knapp zwei Stunden südlich von Christchurch, gelandet. Anscheinend bleiben doch ein paar Campingplätze offen. Inzwischen verstehen wir auch warum manche offen bleiben und andere schließen. Es ist wohl so, dass die Betreiber selbst entscheiden können, ob sie den Betrieb aufrecht erhalten wollen (es gibt ja doch nicht gerade wenig gestrandete Touristen) und wenn, müssen sie garantieren können, dass auch auf dem Campingplatz die entsprechenden Corona-Hygienevorschriften umgesetzt werden können, d.h. jede reisende “häusliche Gemeinschaft” muss eine eigene Dusche und ein eigenes Klo bekommen können, die Gemeinschaftsküche muss von allen Benutzern eigenständig geputzt und desinfiziert werden. Außerdem ist ein Sicherheitsabstand von 2m zu allen anderen Gästen einzuhalten, theoretisch zumindest. Und das Wichtigste: Man darf jetzt den Campingplatz für die Zeit des Lockdowns nicht mehr verlassen, es sei denn, man hat einen Flug plus gültiges Flugticket, dann darf man zum Flughafen fahren. Und zum Einkaufen darf man natürlich auch raus, aber das war es dann auch schon. Die Liste der Verbote und erlaubten Dingen ist ziemlich lang, wird aber nicht ganz so restriktiv gehandhabt, wie wir heute schon festgestellt haben.

Dafür haben wir es echt gut erwischt: Der Campingplatz ist riesig und es gibt massig Tiere (Ziegen, Hasen, Hühner, Pfaue, Schweine, Pferde, Esel, Alpacas, Katzen, Wallabys…) und Spielgeräte auf insgesamt 10 Hektar Land verteilt. Die Kinder können Radfahren, Tiere füttern und streicheln, Trampolin springen, es gibt eine weiter deutsche Familie mit zwei Kindern, die zwar kleiner sind, aber egal, Hauptsache ein bisschen Abwechslung, es gibt so gar einen etwas in die Jahre gekommenden Trimm Dich Pfad, den ich ich die Tage vielleicht mal antesten werde (Bewegung in Isolationshaft wird ja eindeutig erwünscht… 😉 ). Zum Glück sind wir hier geblieben und haben uns gegen eine BnB in Christchurch entschieden, da hätten wir deutlich weniger Bewegungsfreiraum gehabt. Und die Wetterprognosen sind auch nicht so schlecht, morgen mal ein wenig Regen, aber dann soll es schon wieder besser werden. Goldener März…

Schusserbahn mit alten Golfbällen
Federvieh

Jetzt sind wir gespannt, wann und ob wir ausgeflogen werden. Die erste Maschine fliegt am Samstagmorgen von Auckland, für Christchurch gibt es noch keine Termine, aber vielleicht geht es ja schneller als erwartet. Heute mussten wir bei Condor bestätigen, dass wir noch Rückflüge benötigen und es wurde uns bestätigt, dass wir direkt vom Auswärtigen Amt benachrichtigt werden, wenn wir einen Flug bekommen. Anscheinend muss man dann relativ schnell zusagen, weil der Flug sonst an jemand anders vergeben wird und eine zweite Chance gibt es nicht…

Wenn wir sicher wüssten, dass unser Flug im Juni auch wirklich fliegt und dieser Lockdown in vier Wochen vorbei ist, würden wir uns vermutlich darauf einlassen hierzubleiben, aber angesichts der Lage, sind das einfach zu viele unbekannte Faktoren. Dann lieber nach Hause…

Ingo und ich haben heute die erste Campervan-Aufräumaktion gestartet. In fünf Monaten sammelt sich schon allerhand Mist an. Selbst die ersten zwei Reisetaschen sind schon gepackt, es gibt schließlich schon vieles, was definitiv nicht mehr benötigt wird. Die ganzen Sommersachen sind eingemottet, keine Bade- oder Plantschtemperaturen mehr, alle Pools sind zu, und falls es dann doch schnell gehen muss, sind immerhin zwei von gefühlten tausend Taschen schon fertig. Wenn wir jetzt noch eine sichere Unterstellmöglichkeit für unseren Campervan hätten, wäre soweit erstmal alles gut.

Galgenhumor in Wanaka

Apropos nach Hause fliegen, alle Auslandsheimkehrer müssen sich nach Rückkehr in eine 14-tägige; häusliche Quarantäne begeben (wenn wir uns den Corona-Virus holen, dann im Flieger oder irgendwo anders auf der Heimreise…), d.h. wir dürfen dann wahrscheinlich nicht mal einkaufen und wir haben bestimmt KEIN Klopapier mehr zuhause, auch sonst nicht viel. Bitte hamstert schon mal ein wenig für uns… 😉

Und bitte bleibt gesund!

Lockdown

Die Corona-Ereignisse überschlagen sich. Jetzt ist es auch hier soweit. In 48 Stunden ist auch hier in Neuseeland complete lockdown, höchste Corona-Alarmstufe. Das heißt, nichts geht mehr, keine Campingplatz, keine Freedom Campingplätze mehr, keine Spielplätze, keine Touristenattraktionen mehr, gar nichts. Sowie in Deutschland daheim eben. (Ihr seid das ja schon ein wenig gewöhnt, für uns kommt das jetzt alles ziemlich plötzlich… 😉 Damit ist es auch im ziemlich autarken Wohnmobil doof, weil man ja effektiv nirgendwo mehr stehen kann und die Kinder nicht sehr viel machen können außer Wandern (da schreien ja alle immer gleich Hurra) und Radfahren irgendwo im Nichts bzw. im 2m-Abstand. Die Hamstereinkäufe gibt es jetzt auch hier.

Insgesamt gibt es hier gerade 102 bestätigte Coronafälle, die meisten sind wohl auf “overseas travels” zurückzuführen”, nur bei zweien ist man sich nicht sicher, wie die Ansteckung stattgefunden hat. (Es gab es wohl diverse Backpacker, die nach dem 1. März eingereist sind und sich nicht an die “self isolation” Auflagen gehalten haben, so dass an einigen Touristenspots Corona-Fälle aufgetreten sind.) Ob das wohl ein Grund ist, warum die Kiwis in den letzten Tagen eher etwas reserviert und nicht, wie gewöhnlich, sehr zuvorkommend verhalten haben? Vielleicht ist auch die Wahrnehmug schon etwas Corona-getrübt… Damit das Ganze nicht ausartet wie anderso, zieht die Regierung wohl jetzt die Reißleine, d.h. noch zwei Tage Galgenfrist um sich zu sortieren und zu hamstern und dann heißt es daheim bleiben. Allen Touristen wird natürlich empfohlen, schnellstmöglich heimzufahren. So einfach ist das aber eben nicht.

Viele Touristen sind schon weg, aber es sind auch noch viele da, Flüge nach Europa sind schon seit Tagen total überbucht, aber die meisten sind gestrichen. Eigentlich dachten wir, dass wir das aussitzen (denn in daheim in Deutschland sieht die Lage ja auch nicht rosig aus) und dann hoffentlich, wie geplant, im Juni zurückreisen können. Aber im Augenblick sieht da Ganze hier nicht sehr erfreulich aus und ob die Rechnung so aufginge, weiß der Himmel. Deswegen sind wir inzwischen in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eingetragen (Katharina sei Dank!) und haben uns sogar für das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes eingetragen. So hatten wir das nicht vor. Ob und wann wir tatsächlich ausgeflogen werden, weiß auch der Himmel. Wenn keine Campingplätze mehr zur Verfügung stehen, werden wir uns eben erstmal über AirBnB eine Unterkunft suchen, in den “Hausarrest” begeben und auf bessere Zeiten warten. Hurra. Heute vor fünf Monaten sind wir in unser Abenteuer aufgebrochen. Wahnsinn, was in dieser Zeit alles passiert ist…

Hier noch ein paar Lichtblicke der letzten Tage.

Ein Tag am See -Wanaka
Hoch auf dem blauen Wagen
Herr der Ringe – Land

Aus aktuellem Anlass : gleich noch ein NZ Corona-Update hinterher

Nachdem sich die beunruhigenden Nachrichten aus Deutschland häufen, mal ein kurzes Update, was die Situation hier angeht.

Bis dato gibt es 20 dokumentierte Coronafälle in Neuseeland. Seit diesem Wochenende müssen sich alle, in Neuseeland einreisen, auch “residents” in eine 14-tägige “self isolation” begeben. Alle Veranstaltungen über 500 Personen sind vorsorglich abgesagt. Überall findet man inzwischen Plakate mit zu treffenden Hygienemaßnahmen. Bisher ist es auch noch überhaupt kein Problem, irgendwelche Lebensmittel zu bekommen, aber es gab auch schon erste Hamsterkäufe in NZ: Nudeln, Brot, Mehl, Klopapier etc. waren wohl in manchen Supermärkten kurzfristig ausverkauft. Desinfektionsmittel ist auch schwierig zu kriegen. Wir haben allerdings noch nichts davon mitbekommen und Seife haben wir noch genug, auch Klopapier… 😉

Vermutlich wird es nicht bei den 20 Fällen bleiben und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation hier weiter entwickelt. Im Augenblick ist das Leben hier deutlich angenehmer als in Deutschland und zurückfliegen könnten wir derzeit sowieso nicht, da Singapore Airlines gerade alle Flüge nach Deutschland gestrichen hat. Wir haben vor, Anfang Juni nach Singapur zu und von dort knapp zwei Wochen später weiter nach Deutschland zu fliegen. Ob das so klappen wird, ist im Augenblick noch nicht abschätzbar.

Aber es geht und gut und wir hoffen, dass das so bleibt und wir im Juni, wie geplant zurückkommen können. Und wir denken an alle Daheimgebliebenen, die sich jetzt im “Stubenarrest” befinden. Haltet die Ohren steif und vor allem bleibt gesund!

Den Herbst genießen, so lange es geht

Nachdem das Wetter auf der Südinsel insgesamt etwas unbeständiger und kühler ist, folgen wir auf unserer Reise nicht den üblichen Touristenrouten, sondern schauen immer erstmal wo die Wetterprognose am besten ist und fahren der Sonne hinterher. Das klappt eigentlich ganz gut. Manchmal dauert es zwar ein wenig bis sie zum Vorschein kommt oder es ist eben schon ein wenig herbstlich kühler, aber im Großen und Ganzen fahren wir damit ganz gut und so verschlägt es uns in den Peel Forest, auf einen Campingplatz ohne großem Schnickschnack im Nichts in der Nähe des Rangitata, einem größerem Fluss. Nachdem einmal kurz Beschwerde wegen des fehlenden Spielplatzes eingelegt wurde, sind die Kinder schon mit den Fahrräder auf Erkundungsfahrt aufgebrochen. Geht auch ohne. Ich erkunde mal wieder die Waschmaschine.

Rangitata stepping stones – Moritz ist das zu riskant

Während sich die beunruhigenden Nachrichten aus Deutschland weiter mehren, scheint in NZ noch alles relativ ruhig. Wir fahren weiter zu Lake Tekapo. Nachdem wir mit den Großeltern zusammen fast immer auf Campingplätzen waren, genießen wir jetzt mal wieder das Freedom Camping, vor allem auf NZMCA- (dem Pendant zum deutschen ADAC) Plätzen oder DOC Sites (das sind staatliche Campingplätze mit i.d.R. nur sehr rudimentärer Ausstattung, d.h. meist nur Toiletten und sonst nichts). Da sind deutlich weniger bis keine ausländischen Touristen anzutreffen, nur jede Menge NZies älteren Semesters, die jetzt endlich nach Ende der Schulferien in Ruhe Urlaub machen und den Spätsommer genießen können. Die Ruhe mischen wir mit unseren vier Kindern immer erstmal ordentlich auf. Außerdem liegen sie oft an besonders schönen Flecken…

Abendliche Kanutour
Natalie wagt sich in die kühlen Fluten
Moritz und Benjamin machen lieber Trockenübungen

Nach zwei wunderschönen spätsommerlichen Tagen wird es kalt und wir ziehen weiter der Sonne hinterher Richtung Landesinnere, machen aber dann spontan einen Abstecher zu Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Je näher wir kommen, desto mehr reißt die Wolkendecke auf und die Sonne lässt sich wieder blicken. Juhu, der Plan geht auf. Es ist zwar schon relativ spät als wir ankommen und trotz Sonne ziemlich windig, aber wir beschließen kurzerhand, noch den Hooker Valley Track zu wandern, der bis zum Gletschersee des Mount Cook führt. Der Weg ist einfach, wenig steil, führt durch tolle Landschaft und es gibt drei ziemlich spektakuläre Hängebrücken zu überqueren. Drei Stunden hin und zurück werden veranschlagt, also dreieinhalb bis vier Stunden mit den Kindern. Die finden die Aussicht auf Wandern natürlich nicht besonders attraktiv, machen aber mit, weil ihnen ja nichts anderes übrigbleibt. Tatsächlich schlagen sie sich ganz wacker bis auf die letzten 20 Minuten (die häufig mühsam sind) und für alle Beteiligten eine Tortour ist. Aber so kurz vor dem Ziel ist Aufgeben und Umkehren natürlich auch keine Option mehr. Also ziehe ich abwechselnd zwei bis drei Kinder die letzten Schritte bis zum Gletschersee. So richtig freuen kann ich mich ob der nervigen letzten Meter erstmal gar nicht über die bombastische Aussicht. Außerdem ist es extrem windig und die Sonne fängt schon an, hinter den Bergen zu verschwinden. Ich fürchte mich vor einem kalten und furchtbar nervigen, eineinhalbstündigen Rückmarsch, während die Kinder mit plötzlicher Begeisterung (gerade zuvor schien noch kein einziger weiterer Schritt möglich) auf den ca. 4 Grad kalten Gletschersee mit “Eisbergen” zu rennen und auf den Steinen herumzuklettern beginnen. Ich kann gar nicht hinsehen…

Vielversprechende Aussichten gleich zu Beginn
Hängebrückenkapazität = 20 Personen, uuuh
Endlich am Ziel

Etwas durchgepustet, aber zum Glück trockenen Fußes kommen wir alle wieder heil am Wohnmobil an und freuen uns über eine heiße Suppe. Sollten jetzt einer über eine laufende Nase klagen, wissen wir wenigstens, woher sie kommt…

Weil es gar so schön war, fahren wir am nächsten Tag noch zum Tasman Glacier, bei dem es (zum Glück) nur sehr kurze Wanderwege gibt, eigentlich sind es eher Spaziergänge von maximal einer halben Stunde, die aber nach der Tour vom Vortag große Überzeugungsarbeit benötigen.

Schön, aber deutlich weniger spektakulär

On the road again

Nachdem sich die Corona-Hiobsbotschaften aus Deutschland und dem Rest der Welt überschlagen, fünf Wochen vorzeitige Osterferien, Wahnsinn, geht es uns hier in Neuseeland coronatechnisch noch ziemlich gut (man kann nur hoffen, dass sich die Lage bessert, sonst dürfen wir am Ende nicht über Singapur zurückreisen…): Eine sehr überschaubare Anzahl an Kranken auf der Nordinsel (!), wenig Hamsterkäufe und wir sind nach der Abreise der Großeltern wieder unterwegs. Zwar wird es hier jetzt auch langsam Herbst, aber der kann ja bekanntlich auch sehr golden und schön sein.

Es klappert der Herbst…

Nachdem der Abreise von Oma und Opa bleiben wir zunächst noch ein wenig freiwillig – unfreiwillig in Christchurch, das wir beim ersten Stopp nur kurz besucht haben. Verschiedenste Attraktionen und Ecken wollen noch erkundet werden. Zum Beispiel das International Antarctic Centre, in dem man nicht nur Huskies streicheln kann, sondern einen Schneesturm erleben, eine Schneemobilfahrt machen und in einem 4D-Kino arktische Abenteuer erleben kann usw. Echt irre…

Benjamin und Natalie als Testfahrer
Fahrt mit einem Hagglund, besser als Achterbahn
Windige Sonnenpause kleiner Pinguine

Der unfreiwillige Teil unseres Aufenthalts in Christchurch besteht darin, dass Ingo in der Zwischenzeit versucht, eine Werkstatt zu finden, die sich unserer Bremsen annimmt, die beider jeder Ampel schon so grauenhafte Geräusche von sich geben, dass man fürchten muss, dass sie beim nächsten Mal einfach nicht mehr funktionieren. An einem Freitag nicht ganz so einfach wie erhofft und er wird auf den kommenden Montag vertröstet, d.h. wir müssen das Wochenende irgendwie “totschlagen” und entscheiden uns dafür nach Akaroa zu fahren, ein “französisches Städtchen” auf einer kleineren Landzunge knapp zwei Stunden südöstlich von CHC. Tatsächlich ist es ein hübsches kleines Örtchen, in dem man Baguette, Crepe und andere Leckereien gallischen Ursprungs bei Menschen mit französischen Akzent kaufen kann. Allerdings ist es auch überschwemmt von Kreuzfahrtschiffpassagieren, die in Massen mit kleinen Booten von zwei riesigen Schiffen, die in der Bucht vor Anker liegen, hergekarrt werden. Nett, aber auch ein wenig bizarr.

Oh, la lá…
Besuch auf einer Alpaca-Farm für die lieben Kleinen bei Akaroa
So viele fluffige Knuddeltiere
Weinprobe für uns

Die Bremsen überstehen zum Glück noch die Rückfahrt und wir sind wieder in Christchurch. Der Camper wird Montagmorgen um acht bei der Werkstatt abgegeben, wir machen uns auf die Suche nach einem leckeren Frühstück und finden tatsächlich das leckerste, das wir bisher in Neuseeland gegessen haben. Endlich mal was ohne stinkig-fettigen Bacon. Nachdem wir nicht wissen, wann das Auto wieder fahrbereit ist, laufen wir weiter Richtung Stadtzentrum, machen schließlich eine Hop on- Hop off-Fahrt auf der antiken Tram und landen schließlich wegen des windigen Wetters in der Central Library, in der es einen riesigen Kinderbereich mit Lego, Duplo, Verkleidungskisten, Büchern, Sofas, Kuschelecken etc. etc. und gutem WLAN gibt. So lässt es sich aushalten…

Erstbesteigung des berüchtigten gelben Felsen
Familienbereich in der Central Library
Astronautenduplostation

Leider zwingt uns ein kleines Manövriermaleur gleich noch mal zu einem Werkstattbesuch. Mit einem nigelnagelneuen Auspuff und neuen Haarschnitten für fast alle (nur Moritz weigert sich vehement und ich freue mich unbändig, neue Strähnchen plus Haare schneiden dauert gut zwei Stunden ganz ohne Kinder 😉 ) – irgendwie muss die Wartezeit ja sinnvoll überbrückt werden – geht dann endlich von Christchurch weiter Richtung Süden…

Juhu, endlich kein Ziepen mehr beim Kämmen
Und der Rest kriegt auch wieder die Haare schön im Retrosalon

Zurück ins Touristen-Getümmel

Nach der Einöde, Station Erewhon einem Regennachmittag fahren wir wieder der Sonne nach zum nächsten Touristen-Highlight, dem Fox-Glacier (mit drei Österreichern zum Gletscher, lustig eigentlich…). Dafür müssen wir unseren ersten Pass, den Arthur Pass, überqueren und an die Westküste fahren, die in den letzten Monaten zu viel Regen abbekommen an, dass der Franz Josef – Gletscher zur Touristenfalle wurde, weil gleich zwei Erdrutsche die Straßen unpassierbar gemacht haben. Inzwischen haben die NZies allerdings tüchtig geschaufelt, so dass man wieder durchkommt. Weil die ganze Strecke mit vier Kindern und zwei Großeltern im Auto auf einen Rutsch zu lange dauert, machen wir kurz hinter dem Pass Halt. Opa und Oma werden in einem Hotel, das mit unglaublich viel Antiquitäten, Herr der Ringe-Zeugs und sonstigem Nippes-Krimskrams vollgestellt ist, einquartiert und wir bleiben einfach auf dem Parkplatz davor stehen.

Auch Zauberer haben mal einen Autopanne
Das schönste Klo Neuseelands

Wir erreichen Fox Glacier Village bei besten Wetter und schlafen erstmal seit unserer Ankunft in richtigen Betten in einer Family Cabin, in der wir alle Platz haben – zwei Schlafzimmer, diverse Stockbetten, Küche, Bad, Essplatz und Veranda. Schon mal schön, etwas mehr Platz zuhaben, allerdings fliegt in kürzester Zeit alles durcheinander, was das Einpacken am Abreisetag nicht unbedingt beschleunigt. Außerdem entdecken die Kinder wunderbare neue Spielmöglichkeiten, die es sonst so nicht gibt: Man kann von dem einen Stockbett auf da Doppelbett springen und unten angekommen, alles Bettzeug und Handtücher durcheinander werfen und man kann dieses Spiel solange spielen, bis alle Erziehungsberechtigen ganz unpädagogische Schreianfälle bekommen…

Dann heißt es natürlich ran an den Gletscher. Rauflaufen geht mit Kindern definitiv nicht, es sei denn, man lässt sich mit dem Heli einmal rauffliegen, was ich aber ziemlich abartig finde. Viel Lärmen um ein wenig Schnee und Eis. Tatsächlich sind die ständigen Hubschrauber über einem etwas nervig und laut, keine Ahnung, was die Leute daran finden. Wir entscheiden uns für den Wanderhighway bis zum Geröllfeld, der ist so gut ausgebaut, dass ihn jeder raufkommt, auch vier Kinder. Die sind dann leider etwas enttäuscht, dass wir nicht näher in den Gletscher rankommen, aber immerhin können sie mal einen Blick drauf erhaschen. Auch an den Franz Josef kommen wir nicht recht viel näher heran, bei dem wir am nächsten Tag noch kurz anhalten. Außer Moritz, Oma und Opa will da gar niemand mehr mit. Auch schön, aber vom Hocker haut es uns nicht, da war Mount Sunday und die Fahrt über Arthur´s Pass landschaftlich schon etwas spektakulärer.

Wenn wir erklimmen, schwindelnde Höhen…
…bleibt der Gletscher dennoch in der Ferne
…aber Hauptsache ein Foto ist gemacht 😉

Dann geht es wieder Richtung Norden, zum Abel Tasman Nationalpark, einem der bekanntesten neuseeländischen Nationalparks, wo auch wieder viele wanderfreudige Touristen anzutreffen sind. Generell kommt es mir so vor, als ob auf der Südinsel sehr viel mehr Touristen unterwegs sind, die die Lonely Planet-Highlights abklappern. Die Nordinsel war da irgendwie etwas ruhiger und weniger überlaufen. Nichtsdestotrotz ist er natürlich landschaftlich wunderschön. Da auch hier der Weg etwas lang ist, machen wir auf dem Weg mehrere Stopps und übernachten bei den Pancake Rocks.

Erster Zwischenstopp in Hokitika
Zweiter Zwischenstopp: Pancake Rocks

Wir machen uns einen gemütlichen Tag am Meer und einen Wandertag, an dem uns ein Wassertaxi in die Torrent Bay bringt und einige Buchten weiter an der Küste, der Bark Bay, wieder abholt. Das heißt zweieinhalb Stunden rauf und runter, über eine Hängebrücke und am Ziel eine wunderschöne Sandbucht mit Strandpicknick.

Ein Tag am Meer
Taxi vom Wassertaxi
Im Wassertaxi zur Torrent Bay
Chuck Noris was here – Spilt Apple Rock
Regenwaldhängebrücke – Tragkraft maximal fünf Erwachsene…
Endlich da – Bark Bay

Dann geht es auch schon wieder zurück Richtung Flughafen in Christchurch: Ein Stadttag in Nelson und ein weiterer Stopp in Hanmer Springs, Thermalquellen für die Großen und ein riesiges Spaßbad für Groß und Klein. Wir erwischen den letzten Sonnentag, bevor eine Regenfront dem Freibad-Badespaß erstmal ein Ende bereitet. Dann heißt es Oma und Opa zu verabschieden, der Mehrgenerationenfamilientrip geht zu Ende…